Alles Bio - oder was?

Schon immer stehen wir für einen naturnahen Gartenbau. Wir kultivieren Pflanzen und  Sorten, die für unsere Region geeignet sind. Wir verwenden keine chemischen Stauchemittel, damit die Pflanzen kompakt bleiben, benutzen keine Unkrautbekämpfungmittel wie RoundUp oder Vorox - auch nicht auf dem Friedhof - und versuchen erst mit biologischen Mitteln den Befall unserer Pflanzen mit Krankheiten und Schädlinge so gering wie möglich zu halten. Aber: Wir sind kein Biobetrieb. Noch nicht, leider.

Die Sache mit den Düngern - oder -  Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner BrusT

 

Ganz klar: Ohne Pflanzen gäbe es uns nicht - wir würden schlicht und ergreifend ersticken. Durch die Photosynthese wandelt die Pflanze Sonnenenergie in Traubenzucker und Stärke um, dazu braucht sie Wasser und Kohlendioxid und gibt dafür Sauerstoff ab, den wir zum Atmen brauchen. Das Geniale ist, das Pflanzen die Energie, die sie zum Leben benötigen, aus der Sonneneinstrahlung gewinnen und speichern können. Sie sind energetische Selbstversorger und das von Anfang an. Wir Anderen müssen Energieträger in Form von Nahrung zu uns nehmen, täglich, letztendlich ist alle Energie unserer Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs.

 

Warum müssen wir dann Pflanzen überhaupt düngen, wenn sie doch ihre Energie, Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff  aus Luft, Wasser und Sonnenlicht beziehen?

Damit Pflanzen wachsen und gedeihen, brauchen sie mit Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K) drei weitere Hauptnährstoffe und viele Neben- und Spurenelemente. Diese können sie nur in wasserlöslicher Form, als Nährsalze aufnehmen. Der Pflanze ist es erst einmal egal, ob diese Nährstoffe aus organischen Biodünger oder chemischen Kunstdünger kommen.

 

Das Verhältnis der Nährstoffe zueinander schwankt nach Pflanzenart, Entwicklungsstadium und Bodenverhältnisse. So erklärt sich die Vielzahl verschiedener Spezialdünger, die auf den Bedarf der einzelnen Pflanzengruppen abgestimmt sind. Eine ausgewogene Versorgung der Pflanzen, läßt sie im richtigen Verhältnis wachsen, blühen und gedeihen, zu wenig schwächt sie, zuviel führt zu Verbrennungen an Wurzeln und Blättern, die Pflanze wächst zu schnell, wird anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

 

Mineralische Kunstdünger sind schnell verfügbar und können sofort von der Pflanze aufgenommen werden. Damit nicht die gesamten Nährsalze sofort zur Verfügung stehen, die Wurzeln schädigen und mit dem nächsten Regenguss ausgewaschen werden, sind Langzeitdünger chemisch aufbereitet oder ummantelt, um die Abgabe, je nach Wärme und Feuchtigkeit, zu verzögern. Streng genommen brauchen Pflanzen mit ausschließlich mineralischer Düngung keinen Boden, es reicht Steinwolle oder Blähton.

 

Die meisten organische Dünger müssen erst einmal von den Bodenlebewesen abgebaut und verdaut werden. Erst dann stehen sie als Mineralsalze den Pflanzen zur Verfügung. Organische Düngung fördert die Bodenstruktur, die Nährstoff- und Wasserspeicherfähigkeit wird verbessert, es wird weniger Nitrat ausgewaschen, der Boden erwärmt sich leichter. Umgekehrt bedeudet dies, dass Hydopflanzen nicht mit organischen Bio-Düngern versorgt werden können, da es dort keine Bodenlebewesen gibt.

 

Wir bieten beide Formen an, auch wenn wir den Einsatz mineralischer Düngemittel zunehmend reduzieren. Es ist für die Herstellung sehr viel Energie notwendig, um z.B. Luftstickstoff  in eine pflanzenverfügbare Form zu bringen, der Abbau von Phosphaten ist begrenzt und gesundheitlich sehr belastend.

 

Der Vorteil mineralischer Dünger ist die einfachere Anwendung, ihre schnelle Wirkung, die sich sehr gut dosieren läßt. In Töpfen, Balkonkästen und Gefäßen ist der Raum für ein aktives Bodenleben sehr begrenzt, es fehlt am Puffer, die Lebensbedingungen, schwanken stark zwischen den Extremen, trocken/nass, heiß/kalt. Entscheidend ist der verantwortungs- und maßvolle Umgang mit diesen Mitteln, damit eine Anreicherung und Auswaschung verhindert wird.

 

Der große Vorteil organischer Dünger liegt in ihrem geringeren Energiebedarf und Schonung von Ressourcen bei der Herstellung, der Förderung des Bodenlebens und Erhalt der Bodenstruktur.  Auch hier gilt, dass Zuviel des Guten schadet. Wir konzentrieren uns bei der Verwendung organischer Dünger mit Neudorff auf einen Hersteller, der aus unserer Sicht in Bezug auf Schonung der Umwelt und Nachhaltigkeit sehr glaubhaft agiert und ausgereifte Produkte anbietet.

 

Fazit?

Wir sind noch nicht soweit, um uns endgültig vom mineralischen Dünger zu verabschieden. Mit der Umstellung auf torffreie Erde müssen wir erst noch Erfahrungen über das Verhalten der Nährstoffe in diesen Substraten sammeln. Da sie biologisch wesentlich aktiver sind, kann es sowohl zur Bindung  als auch zur überraschenden Freisetzung von Nährstoffen kommen, auf die wir kurzfristig reagieren müssen.  Es wird jedes Jahr weniger, aber noch gilt:

 

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dunst
zu den Gefilden hoher Ahnen.

 

Quelle: Faust 1, Vor dem Tor. (Faust)

Die Saatgut-retter

Ein Film, der uns zum Nachdenken gebracht hat, ist ´Die Saatgut-Retter´ von arte. Die eigene Erfahrung zeigt, wie schwierig es ist, Samen und Jungpflanzen von Betrieben zu beziehen, die sich als unabhängige Unternehmen halten können.

Die meisten Züchtungsfirmen sind inzwischen von den großen Chemiekonzernen wie Monsanto oder Syngenta aufgekauft worden, einmal um marktbeherrschend agieren zu können, zum anderen um die Koppelung ihrer Produkte an Pflanzensorten mit Hilfe der Gentechnik voranzutreiben.

Mit großer Skepsis verfolgen wir in diesem Zusammenhang die Verhandlungen zu den Freihandelsabkommen TTIP. Allein die Tatsache, dass selbst unsere Abgeorneten die Dokumente nur unter strenger Geheimhaltungspflicht und Aufsicht in einem eigens dafür eingerichteten Leseraum einsehen können, dies auch noch als Schritt zu mehr Transparenz hochgejubelt wird, läßt uns nicht Gutes ahnen.

 

Wir haben für uns beschlossen, nicht mehr alles anzubieten, was auf dem Markt ist, wir wägen sehr genau ab, woher wir Jungpflanzen beziehen und welches Saatgut wir verwenden. Sicher ein kleiner Schritt, aber für uns der einzig Richtige, solange wir noch eine Wahl haben.

 

Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, nutzen Sie diesen Link, um Die Saatgut-Retter auf VIMEO anzusehen.